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Expertenvortrag: „Ein Jahr COVID-19-Impfung – Was haben wir gelernt?“

Anfang 2021 startete in Deutschland die Impfkampagne gegen SARS-CoV-2. Welche Erkenntnisse über die COVID-19-Impfung bei Menschen mit MS im letzten Jahr gewonnen werden konnten, berichtet Dr. Iason Bartzokis in seinem Vortrag. Er ist Oberarzt der Klinik für Neurologie und Palliativmedizin im Krankenhaus Köln-Merheim.

Für Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose sind Impfungen besonders wichtig, da sie aufgrund einer immunmodulatorischen Therapie ein potenziell erhöhtes Infektionsrisiko haben können. Zudem können Infektionen bei MS das Risiko für Schübe erhöhen. Im Gegensatz dazu lösen Impfungen weder Schübe aus noch erhöhen sie die Wahrscheinlichkeit, später eine MS zu entwickeln. Das beweisen alle Studien eindeutig, die mit in Deutschland zugelassenen Tot- oder Lebendimpfstoffen durchgeführt wurden, so Dr. Bartzokis.

Generelle Impfempfehlungen bei MS

Lebendimpfstoffe dürfen in der Regel unter einer immunsupprimierenden Therapie nicht angewendet werden. Impfungen, für die nur Lebendimpfstoffe zur Verfügung stehen, sollten daher – je nach geplanter Therapie – vier bis sechs Wochen vor Behandlungsbeginn abgeschlossen sein. Totimpfstoffe können dagegen theoretisch entsprechend den STIKO-Empfehlungen jederzeit unter der Therapie gegeben werden. Jedoch gilt auch hier, dass die Impfungen bestenfalls – wenn möglich – ebenfalls vier bis sechs Wochen vor der geplanten immunmodulatorischen Therapie abgeschlossen sein sollten. Zudem sollten bei Impfungen unter der Therapie geeignete Zeitfenster genutzt werden, um eine bestmögliche Immunantwort zu erreichen. Dabei sollten insbesondere hocheffektive MS-Therapien aber nicht zu Gunsten von Impfungen verzögert werden, betont Dr. Bartzokis. Zudem gilt, nur zu impfen, wenn die Krankheit stabil ist und nicht während eines akuten Schubs.

Aktuelle Empfehlungen zur COVID-19-Impfung bei MS

Derzeit empfiehlt die STIKO, dass Menschen mit einer Immundefizienz frühestens drei Monate nach dem ersten Booster eine zweite Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff gegen SARS-CoV-2 erhalten sollten. Daneben sollten sich auch Mitarbeitende in medizinischen Einrichtungen – jedoch frühestens nach sechs Monaten – ein zweites Mal nach der ersten Auffrischung impfen lassen. Diese Empfehlungen für eine zweite Auffrischung gelten nicht, wenn nach dem ersten Booster eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht wurde.

Sollten sich MS-Patientinnen und Patienten unter einer immunsupprimierenden Therapie dennoch mit SARS-CoV-2 infizieren und Symptome entwickeln, besteht eine absolute Indikation für die mittlerweile in Deutschland zugelassenen monoklonalen Antikörper oder antiviralen Medikamente, betont Dr. Bartzokis.

Immunantwort auf SARS-CoV-2-Impfung unter B-Zell-Therapie

Mittlerweile ist bekannt, dass eine B-Zell-Therapie zu einer deutlich verringerten Antikörperantwort nach der COVID-19-Impfung führen kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Personen keine Immunantwort zeigen. Denn durch die Impfung wird neben der Antikörperbildung auch eine robuste T-Zell-Antwort ausgelöst. So konnte eine Studie zeigen, dass bei MS-Patientinnen und Patienten unter B-Zell-Therapie die T-Zell-Antwort vergleichbar war mit der von gesunden Menschen ohne Therapie. Und bei der Abwehr von Viren spiele diese zelluläre Antwort eine wichtigere Rolle als die humorale, antikörpervermittelte Antwort, so Dr. Bartzokis.

Geeignete Zeitfenster für die COVID-19-Impfung unter MS-Therapie

Wie bei allen Impfungen gilt auch bei der SARS-CoV-2-Impfung, dass unter immunmodulatorischen Therapien geeignete Zeitfenster berücksichtigt werden sollten, damit die Patientinnen und Patienten eine möglichst gute Immunantwort entwickeln können. Für die Therapien mit wiederholenden Intervallen lautet die Empfehlung von Dr. Bartzokis, dass die Impfung drei (ggf. sechs) Monate nach der letzten und vier bis sechs Wochen nach der nächsten Gabe verabreicht werden sollte – je nach Medikament.

Schauen Sie den Vortrag von Dr. Bartzokis im Video und erfahren Sie beispielsweise, wie mRNA-Impfstoffe wirken und welche Empfehlungen für Menschen mit MS zu dem neu zugelassen Proteinimpfstoff gelten.

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Dieser Beitrag stellt teilweise Expertenmeinungen sowie die klinische Praxis dar und beruht auf folgenden Quellen:

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