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Therapie

Frühe Behandlung zahlt sich aus

Welche Strategie ist die richtige bei der MS-Therapie – Eskalation oder „Hit hard and early“? Immer mehr Studien deuten an, dass der frühe Einsatz einer hochwirksamen Therapie das Fortschreiten einer MS stärker verlangsamt als eine Eskalationsstrategie.

Seit Einführung der ersten hochwirksamen MS-Medikamente stellen Experten sich die Frage, ob eine frühe intensive Therapie den MS-Verlauf positiver beeinflussen kann als eine Eskalationstherapie, bei der Patienten erst bei unzureichendem Ansprechen auf eine Basistherapie ein wirksameres Medikament erhalten. Die Frage nach der richtigen Behandlungsstrategie bei MS ist nicht endgültig beantwortet. Aber es gibt Hinweise darauf, dass der frühe Einsatz einer hochwirksamen Therapie („Hit hard and early“) langfristig zu weniger Schüben, weniger Behinderungen und einem späteren Übergang in eine fortschreitende MS (SPMS) führt.1,2,3

Eskalation oder früh intensiv behandeln?

Bei der Frage nach der richtigen Therapiestrategie bei MS geht es vor allem darum, sowohl eine Über- als auch eine Untertherapie zu vermeiden. Spricht ein MS-Patient gut auf eine Basistherapie an, benötigt er möglicherweise kein hochwirksames Medikament, das häufig auch ernstere Nebenwirkungen bedeutet. Andererseits birgt die Eskalationsstrategie die Gefahr, Patienten mit hoher MS-Aktivität unterzutherapieren, wenn das sogenannte „Window of opportunity“ verpasst wird – also der Zeitraum, in dem die Therapie die besten Erfolge erzielen kann. Erhalten Patienten in diesem entscheidenden Zeitraum nicht die geeignete Therapie, können die langfristigen Behandlungsergebnisse schlechter ausfallen.

Grafik Verlaufsformen
Quelle: Giovannoni et al.: Brain health: time matters in multiple sclerosis. Mult Scler Relat Disord 2016.

Vorteil von früher intensiver MS-Therapie erneut bestätigt

Eine aktuelle Auswertung des italienischen MS-Registers gibt erneut Hinweise darauf, dass eine frühe Therapie mit hochwirksamen Medikamenten das Fortschreiten der MS stärker bremst als eine Eskalationstherapie. Der Grad der Behinderung (gemessen anhand des EDSS-Wertes) verschlechterte sich bei Patienten mit schubförmiger MS unter Eskalationstherapie deutlich schneller: Nach zehn Jahren erreichte der Unterschied im EDSS-Wert etwa 0,7 Punkte im Vergleich zu einer frühen intensiven Therapie.4

Um das Ansprechen auf ein Medikament im Therapieverlauf zu beurteilen, ist es wichtig, regelmäßig die Progression der MS zu bewerten. Erfahren Sie mehr über standardisierte Testverfahren zur Progressionsmessung.

Quellen

  1. Chalmer TA et al.: Early versus later treatment start in multiple sclerosis: a register-based cohort study. Eur J Neurol. 2018.
  2. Brown JWL et al.: Association of Initial Disease-Modifying Therapy With Later Conversion to Secondary Progressive Multiple Sclerosis. JAMA. 2019
  3. Harding K et al.: Clinical Outcomes of Escalation vs Early Intensive Disease-Modifying Therapy in Patients With Multiple Sclerosis. JAMA Neurol. 2019
  4. https://www.springermedizin.de/ectrims-congress/multiple-sklerose/-hit-hard-and-early–bremst-ms-am-staerksten/18316136?utm_source=email&utm_medium=SM_NL_UPDATE_NEUROLOGIE&utm_campaign=MS-Mittel%20ab%2053%20Jahren%20unwirksam?&utm_content=content&utm_term=2020-09-22&fulltextView=true&nl_name=SM_NL_UPDATE_NEUROLOGIE&nl_date=2020-09-22