Therapie

Therapiemanagement: Immunglobuline unter der MS-Therapie

Als Nebenwirkung einiger MS-Medikamente kann es zu einer Verminderung der Immunglobuline und damit zu einer erhöhten Infektanfälligkeit kommen. Schwerwiegende Infektionen treten unter diesen Therapien dennoch nur selten auf.

Immunglobuline in der Infektabwehr

Immunglobuline spielen als Antikörper eine wichtige Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern. Sie werden als Reaktion auf eine Infektion oder Impfung von Plasmazellen produziert, die durch Reifung aus B-Zellen entstehen. Es gibt fünf Untergruppen, wobei Immunglobulin G (IgG) die im Blut vorherrschende Form darstellt. Antikörper vom IgG-Typ tragen wesentlich zur längerfristigen Immunität nach einer natürlichen Infektion oder der Immunisierung durch eine Impfung bei. Deutlich reduzierte IgG-Spiegel (Hypogammaglobulinämie) können daher zu einem erhöhten Infektionsrisiko führen.

Die Rolle von IgG unter MS-Therapie

Beruhend auf ihrer Wirkweise modulieren bzw. supprimieren verlaufsmodifizierende MS-Therapien verschiedene Bestandteile des Immunsystems. Einige Medikamente können bei langjähriger Anwendung die Menge an IgG im Blut reduzieren. Durch die Auswirkungen auf das Immunsystem kann sich die Infektanfälligkeit der Patient:innen unter der Therapie erhöhen.1  So waren in Studien niedrige IgG-Spiegel mit einem höheren Risiko für schwere Infektionen assoziiert. Gleichzeitig zeigte sich jedoch, dass die Menge an IgG im Therapieverlauf nur langsam abfällt. Bei der Mehrzahl der Patient:innen blieben die Werte auch nach Jahren unter Therapie im Normbereich.2 IgG-Antikörper stellen nur einen Teil der Immunabwehr dar – andere Mechanismen wie beispielsweise die T-Zell-Immunantwort bleiben auch bei erniedrigten IgG-Werten weiterhin aktiv. Durch regelmäßige Laborkontrollen lassen sich kritisch reduzierte IgG-Spiegel im Blut der Patienti:nnen bestimmen und können entsprechend behandelt werden.

Infektionen unter verlaufsmodifizierenden MS-Therapien

Während leichte Infektionen, beispielsweise der oberen Atemwege oder Harnwegsinfekte, je nach MS-Therapie häufig bis sehr häufig auftreten, sind die Raten schwerwiegender Infektionen eher gering.1,3 Auch scheinen die meisten COVID-19-Fälle unter verlaufsmodifizierenden Therapien nicht schwer zu verlaufen.4,5 

Um die Wahrscheinlichkeit für Infektionen weiter zu reduzieren, sollten Patienti:nnen vor Beginn sowie während einer verlaufsmodifizierenden Therapie alle von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen unter Beachtung der entsprechenden Fachinformation erhalten.

Quellen

  1. Hemmer B et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen, S2k-Leitlinie. 2021; in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie.
  2. Derfuss S et al. ECTRIMS 2019; Session 2, Präsentation 65.
  3. Hauser SL et al. Neurology. 2021;97:e1546-e1559.
  4. Möhn N et al. J Clin Med. 2020 Dec 16;9 (12): 4067.
  5. Hauser SL et al. ECTRIMS 2021. Präsentation P933.
neuRo Nurse
Instagram